Winglet Glasflügel 304 Review
| Pilot: | Frank Beerhenke |
|---|---|
| Verein: | LSV Münsingen Eisberg |
| Flugplatz: | Eisberg |
| Segelflugzeug: | Glasflügel 304 – Serial Number 206, 1980 |
| Registrierung: | D-6836 "GH" |
Ich hatte für den Herbst 2024 die 3000 Stunden Kontrolle meiner geliebten Glasflügel 304 festgelegt über einen Winglet Anbau hatte ich in dem Zuge nachgedacht aber noch nicht abschließend entschieden. Bei der Terminabsprache zur 3000 Stunden Kontrolle im Frühjahr des Jahres 2024 eröffneten mir die beiden Christian‘s beim Kaffee im LTB, Streifeneder dass der Formensatz für die Winglets in eine Revision und „meine“ Winglets jetzt noch vorab gefertigt werden könnten. Die Bestellung wurde also sofort ausgelöst. Die 304 ging dann im August nach Grabenstetten und meine Frau und ich in Urlaub. Erste Fotos von Christian Walliser vom Winglet Anbau und insbesondere das komplett aufgebaute Flugzeug im LTB waren atemberaubend.

Wochen später dann die Abholung des Flugzeuges im LTB. Ich war restlos überwältigt. So viele kleine Details so sorgfältig in Ordnung gebracht. Hier ein Lager gewechselt dort den Batteriekasten auf Serienstand gebracht. Die komplett neu angebrachte Abdichtung innen und außen. Einfach alles strahlte eine makellose Qualität aus. Die ganze Flügelsteuerung jetzt ohne jedes Spiel, alles sehr perfekt. Die Wassersäcke haben wir in dem Zug auch erneuert. Sensationell das hierbei originale Betriebsmittel vom seinerzeitigen Glasflügel Lieferanten zum Einsatz kommen die Streifeneder zwischenzeitlich übernommen hatten. Die Bauausführung der Wasserablassventile als komplexe Edelstahl Konstruktion, die ich beim Tausch zum ersten Mal in Händen hatte, begeistert jeden Maschinenbauer.

Nun zurück zu den Winglets: Die Bauausführung der Winglets absolut perfekt, ja sogar der Farbton wurde so abgemischt das kein Unterschied zum Originallack am Flügel von 1980 erkennbar ist. Keinerlei Spalt zwischen Flügel und Winglet da passt kein Papier dazwischen. Auch der Profilübergang maximal präzise. Das satte Schnapp-Geräusch beim Aufstecken und der Selbstverriegelung der Winglets vermitteln eine absolut perfekte Flugzeugbauerkunst. beeindruckend auch das geringe Gewicht der neuen Winglets in Kohlefaserbauweise im Vergleich zum alten Randbogen. Mit dem alten Randbogen kann ebenfalls geflogen werden zudem ändert sich nichts bei der Fixierung der Flügel im Hänger. Seit dem Kauf meiner 304 „GH“ im Jahre 1998 ist es mein Anspruch die Originalstruktur und Farbgebung des Flugzeuges so maximal wie möglich zu erhalten. War dieses Flugzeug doch auch auf den historischen Pressefotos der 304 Dreier-Formation von 1980 zu sehen. Vor dem Hintergrund hatte ich mir viele Gedanken gemacht, ob der Winglet Anbau die Gesamtoptik der 304 stören könnte – weit gefehlt nun sieht das Flugzeug viel sportiver und eleganter aus.

Mein erster Flug nach der 3000 Stundenkontrolle und dem Winglet Anbau erfolgte im November am Münsinger Eisberg.
Schon beim Anrollen im Flugzeugschlepp bemerke ich eine frühere Wirksamkeit der Querrunder keinerlei Tendenz zum Ablegen des Flügels. Die angebauten Flügelrädchen ermöglichen es jetzt auch zur Not ohne Flügelhalter zu starten.

Beim Kreisen stelle ich fest das ein Abstützen gegen die Kurvenrichtung nahezu nicht mehr nötig ist. Die Taumelneigung um die Hochachse bei starken Querneigungen ist weg. Dies zeigte sich auch später im Jahr bei ersten Flügen im Gebirge in Südfrankreich. Das Flugzeug kreist noch harmonischer und noch schöner. Es fühlt sich einfach „ruhiger“ und „stabiler“ an. Das ist sicher auch der komplett neuen Abdichtung geschuldet. Die Kreisgeschwindkeit ist deutlich spürbar herabgesetzt in meinem Fall liegt Sie jetzt bei ca. 75 km/h bis 80 km/h.
Nach dem Aufsetzen ist es jetzt möglich länger gesteuert auszurollen, da der Flügel später ablegt. Es zeigte sich in der Saison als äußerst nützlich am Eisberg bis fast zum Hänger zu rollen in Verbindung mit den großen Flügelrädchen. Diese schützen zudem die Querruder sehr wirksam beim Abrollvorgang von Betonpisten wie z. B. in Puimoisson.
Der Flügel liegt mit den Rädchen höher als mit den ursprünglichen GFK Schleifrandbogen am Originalflügel ohne Winglet.
So stieg ich nach meinem Erstflug mit der verjüngten 304 mit einem breiten Grinsen aus meinem geliebten Flugzeug.

Warum lohnt sich der Winglet Anbau an die 304:
Deutlich geringere Neigung zum Ablegen des Flügels im F-Schlepp.
Früheres Ansprechen der Querrunder im Startlauf.
Harmonischerer Kreisflugeigenschaften.
Nahezu kein Abstützen mehr nötig im Kreisen.
Merklich geringere Kreisfluggeschwindigkeit.
Kein Taumeln mehr um die Hochhachse bei turbulenter Thermik und hoher Schräglage.
Richtungsstabilerer Geradeausflug.
Längere gesteuerte Rollstrecken beim Ausrollen möglich da Flügel später ablegt.
Start- und Bodenhandling durch Winglet und Flügelrädchen nachhaltig verbessert.
Starke optische Aufwertung des Gesamtflugzeuges.

Im Rahmen der Jahresnachprüfung 2025 hat mir Christian Walliser dann noch perfekte maßgefertigte Winglet Halterungen für meinen Cobra Hänger gebaut. Darin sind die Winglets jetzt ordentlich und sicher aufgeräumt und stören nicht im Cockpit. Zudem können die Originalen Randbogen dort während dem Flugtag sicher gelagert werden. Eine sehr lohnende Investition für die wertvollen Winglets.
Insofern bin ich mit dem Update meiner 304 mit der Werknummer 206 „GH“ sehr glücklich und mehr als zufrieden. Exzellente Arbeit die im LTB Streifeneder geleistet wird inclusive vieler netter Gespräche über Glasflügel.



